Profis und Amateure: Der Unterschied, und wie wir ihn für uns nutzen können

von , veröffentlicht am 13. September 2022

Es gibt einen großen Unterschied in der Art und Weise, wie Profis mit Herausforderungen umgehen und wie Amateure es tun.

Und als Selbständige und Unternehmer können wir daraus viel lernen.

Seit Jahren investieren wir selbst in unser eigenes Business durch Coaching.

Dabei haben wir viele Unternehmerinnen oder Unternehmern kennengelernt, die sehr erfolgreich sind und entsprechend gut verdienen.

Und dabei ist mir aufgefallen, dass die besonders erfolgreichen andere Strategien haben, die Herausforderungen des Lebens anzunehmen.

Profis lassen Fehlschläge oder Misserfolge keineswegs kalt.

Prinzipiell ist es so, dass wir Menschen auf Herausforderungen immer sehr ähnlich reagieren.

Und das läuft in mehreren Phasen ab.

Da gibt es das Ereignis, also die Herausforderung.

Dabei spielt es keine Rolle, ob das eine eher kleine Sache ist. Oder tatsächlich ein großer Misserfolg, ein gescheiterter Auftrag im Business, ein privater Schicksalsschlag, oder ob es etwas von außen ist wie, wie beispielsweise die Pandemie.

Das Leben wirft uns etwas vor die Füße, dass wir so gar nicht auf dem Schirm hatten.

Das ist für niemanden leicht. Egal, wie viel man verdient, egal ob Profi oder Amateur. Deshalb ist der erste, instinktive Impuls, die Dinge zu verleugnen.

Phase 1: Gründe im Außen.

In der ersten Phase suchen wir nach Gründen im Außen. Und das ist normal, Menschen sind nicht böse oder dumm, weil sie so reagieren.

Das ist ein Instinkt, eine erste Reaktion, die womöglich nur ganz kurz ist und sehr schnell vorüber geht. Das hängt ganz von der Schwere des Ereignisses ab.

Doch manchmal wird aus der Suche nach Gründen im Außen, die Suche nach der Schuld im Außen.

Und da wird es etwas problematischer, weil uns das jede Möglichkeit nimmt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Wir sagen womöglich etwas wie:

Ich kann ja nichts dafür, dass meine Kunden so sind. Ich kann ja nichts dafür, dass dieses Virus gerade jetzt kommt.

Für manche Menschen geht es so weit, dass sie Verschwörungstheorien entwickeln. Das ist dann eine sehr starke Form der Verleugnung der Tatsachen.

Phase 2: Gründe bei uns.

In der zweiten Phase suchen wir nach Gründen bei uns selbst. Und das ist nicht falsch, denn wenn wir sehen, was wir besser machen können, gibt uns das ein Gefühl von Kontrolle zurück.

Wir bekommen das Gefühl, wir haben Einfluss auf die Situation.

Doch diese Suche kann in Self-Blame übergehen. Das heißt, ich gebe mir selbst die Schuld.

Und in gewisser Weise ist das Selbstmitleid, denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir selbst für etwas allein verantwortlich sind, ohne dass es äußere Einflussfaktoren gab.

Ich bin nun mal nicht dafür geschaffen. Oder: Mir fällt es nicht so leicht. Oder: Ich bin zu dumm. Ich habe nicht genug Geld, ich hatte Pech …

Wir sind verhaftet in Schwarz-Weiß-Denken.

 

 

Phase 3: Fragen stellen.

Erst ab Phase drei beginnt dann die Veränderung bei mir anzukommen.

Das merkt man daran, dass Fragen auftauchen wie:

Gibt es nicht vielleicht doch einen Weg daraus? Oder: Vielleicht ist alles gar nicht so schlimm? Oder: Wie kann ich es schaffen, die Dinge zu verändern, oder das Ruder herumzureißen?

Das ist die erste Phase des Realisierens, dass ich um diese Veränderung nicht Drumherum komme.

Ich verstehe, dass es keine Rolle spielt, ob ich die Schuldfrage kläre oder nicht. Die entscheidende Frage ist immer nur, wie wir eine Sache günstig beeinflussen oder überstehen können.

Phase 4: Akzeptanz.

Die entscheidende Phase ist die vierte Phase. Das ist die Phase der Akzeptanz. Der radikalen Akzeptanz. Zu akzeptieren, dass man vielleicht nichts für die Umstände kann.

Und, dass man gar keine Schuld daran trägt.

Dass man aber die Verantwortung dafür hat, wie man jetzt mit dieser Veränderung, mit diesem Problem, mit dieser Herausforderung umgeht.

Erst, wenn diese radikale Akzeptanz der Umstände da ist, ist man in der Lage, wirklich eine Lösung zu finden.

Und je nachdem, wie dramatisch das Ereignis ist, dem wir uns stellen müssen, kann das sehr schmerzhaft sein. Es ist nicht leicht, wenn Dinge im Außen über unser Wohlergehen entscheiden.

Womöglich sogar über unser Leben und unsere Gesundheit.

Wie lange wir uns in welcher Phase aufhalten, macht den Unterschied.

Der größte Unterschied zwischen der Herangehensweise von Profis und Amateuren ist, dass sich Amateure lange in den ersten beiden Phasen aufhalten.

Sie geben sich die Schuld, sie geben anderen die Schuld, und sie versuchen, die Situation nicht in ihrer ganzen Härte akzeptieren zu müssen.

Das ist verständlich.

Denn diese Form von Akzeptanz ist nicht leicht. Und es heißt, dass ich alle negativen Gefühle, die im Zusammenhang mit diesem Problem in mir hochkommen, akzeptieren muss.

Das kann Angst sein, Panik, lang vergessene Traumata, die wieder hochkommen.

Womöglich spüren wir Hilflosigkeit.

Man könnte auch sagen, der Weg daraus ist der Weg dadurch. Das ist nicht leicht. Aber das ist genau das, was notwendig ist.

Das heißt vor allem, aufhören zu denken, dass man dazu nicht in der Lage ist.

Sondern sich zu sagen: Ich nehme die Situation so an, wie sie ist. Ich akzeptiere sie mit all ihren Konsequenzen.

Wenn das passiert, bin ich auch in der Lage, den nächsten Schritt zu gehen.

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Profis können die ersten beiden Phasen überspringen.

Da gibt es diese Veränderung, die ist ein Schockmoment, dann kommt aber instinktiv als Nächstes sofort:

Okay, es ist wie es ist, es ist nicht gut, ich kann nichts dafür, aber es ist wie es ist. Ich schaue jetzt, was ich damit anfangen kann, was ich daraus machen kann.

Das ist der entscheidende Unterschied zwischen Profis und Amateuren. Profis haben die Fähigkeit, auch in widrigen Situationen konstruktiv zu bleiben, die Lage womöglich sogar sportlich zu sehen.

Sie betrachten als Herausforderung, was andere als Katastrophe erleben. Und natürlich, je nach Art der Herausforderung kann das in manchen Situationen sehr viel schwer sein, als in anderen.

Mit der Fähigkeit Herausforderungen konstruktiv anzugehen, werden wir aber nicht geboren. Wenn wir viel Glück haben, bekommen wir es von den Menschen, die uns aufziehen, vermittelt.

Doch auch diese Menschen hatten diese Fähigkeit womöglich nicht.

Warum es als Business-Inhaber und Selbständiger so wichtig ist.

Die Fähigkeit, sich schnell auf Herausforderungen einzustellen, ist auch als Resilienz bekannt. Wikipedia beschreibt sie so:

Resilienz (von lateinisch resilire: zurückspringen, abprallen, nicht anhaften), auch Anpassungsfähigkeit, ist der Prozess, in dem Personen auf Probleme und Veränderungen mit Anpassung ihres Verhaltens reagieren.

Dieser Prozess umfasst:

  • Auslöser, die Resilienz erfordern (z. B. Traumata oder belastender Stress),
  • Ressourcen, die Resilienz begünstigen (z. B. Selbstwertgefühl, positive Lebenshaltung, unterstützendes soziales Umfeld) und
  • Konsequenzen (z. B. Veränderungen im Verhalten oder in Einstellungen).

Resilienz kann einen wichtigen Beitrag zur Fähigkeit eines Einzelnen leisten, sich zu erholen oder auf Herausforderungen und Veränderung zu reagieren.

Hier wird deutlich, wir benötigen Resilienz mehr als alles andere. Und wahrscheinlich mehr denn je. Denn das Leben ist nicht leicht.

Das Leben als Selbständiger oder Unternehmer ist es erst recht nicht.

Wir müssen ständig neue Lösungen finden und auf Herausforderungen oder Probleme reagieren. Deshalb ist es wichtig, die eigene Resilienz zu stärken. (Für mich sind Yoga und Meditation sehr gute Wege.)

Als ich von meinem Erwachsenen ADHS erfuhr habe ich eine ganze Weile in den Phasen eins und zwei verbracht. Und Sie werden womöglich sagen, das ist doch normal.

Doch je mehr wir verstehen, dass wir Einfluss darauf haben, wie wir denken und reagieren, umso leichter können wir unser Leben mehr nach unseren Vorstellungen beeinflussen.

Zusammenfassung

Der entscheidende Unterschied zwischen Profis und Amateuren ist die Fähigkeit zu Resilienz.

Also die Tatsache, dass wir Herausforderungen und Probleme als Teil des Lebens betrachten und nach Lösungen suchen, anstatt die Schuld im Außen oder bei uns selbst zu suchen.

Denn so lange wir das tun, ist unser Blick verstellt für Wege, die uns womöglich sehr schnell heraushelfen würden.

 

 

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Andrea Lekies

Hallo, ich bin Andrea und habe Passion & Profit 2012 ins Leben gerufen. Ich bin der Nerd, der lieber über Verkaufen & Businessaufbau schreibt, als shoppen zu gehen. Aber die meiste Zeit treffen Sie mich in unserer Unternehmer-Community Powerhouse... Folgen Sie uns auf Pinterest