Angst als Selbständige oder Freiberufler: Sie denken, Sie können es nicht? Tun Sie es trotzdem

von , zuletzt aktualisiert am 22. April 2019

Ich bedaure, dass ich so kurzfristig absagen muss. Ich denke, dass ich Ihren Anforderungen nicht genüge.

Die Nachricht erreichte mich unerwartet.

Damals arbeitete ich noch in einer Personalberatung und suchte für meinen Chef und mich eine Sekretärin. Bislang hatten wir uns diese Arbeit geteilt. Was bedeutete: Ich übernahm sie …

Doch es wurde irgendwann zu viel.

Und wenn Personalberater intern eine Stelle besetzen, ist das very sophisticated.

Will heißen – Unmengen zahn-fühlender Senior, Junior, Managing, Soon-to-be oder Associate Partner, die Menschenjagd als Lieblingsbeschäftigung haben. Nicht so mein Chef und ich.

Wir waren entspannter. Bis zu dem Termin, um den es jetzt geht.

Das erste Gespräch mit der jungen Frau lief gut

Wir hatten noch andere Bewerberinnen. Doch sie war keineswegs aus dem Rennen. Jetzt stand das zweite Gespräch an.

Wir warteten in einem der schicken Konferenzräume auf sie. Sie war zu spät. Und wie die meisten das tun würden, checkte ich erst Tag und Uhrzeit, dann die Terminbestätigung. Alles in Ordnung. Wir überlegten. War sie in einen Stau gekommen?

Oder krank und ihr Anruf ist an der Telefonzentrale verloren gegangen?

Irgendwann ging ich in mein Büro und prüfte meine E-Mails. Und da war sie. Die Nachricht.

Ich bedaure, dass ich so kurzfristig absagen muss. Ich denke, dass ich Ihren Anforderungen nicht gewachsen bin.

Diese Stelle ist so, wie ich es mir erträumt habe. Doch ich habe gesehen, wie Sie arbeiten. Und was Sie leisten. Und ich denke nicht, dass ich das kann. Ich möchte Ihnen und mir die Enttäuschung ersparen.

Erst war ich überrascht. Dann wütend.

Es tat mir leid, dass sie so fühlte und wir sie eingeschüchtert hatten. Doch es machte mich wütend, dass jemand so gering über sich selbst dachte. Dass sie sich keine Chance gab. Dass sie aufgab, ohne es zu versuchen.

Manchmal verstehe ich sie. Irgendwie. Ich sehe, warum der Gedanke verlockend ist.

Wir denken, wir können dadurch dem Gefühl entgehen, zu versagen.

Wenn wir nicht loslegen, müssen wir uns nicht der Erkenntnis stellen, dass wir etwas nicht schaffen.

Womöglich nie gut genug sein werden.

Dann wäre der Traum, dass es noch etwas werden könnte zerplatzt, wie der Traum vom Frosch, den man nur oft genug küssen muss, damit er sich in einen Prinzen verwandelt.

Und es wäre das Ende der Geschichte, die wir für uns selbst geschrieben hatten. Und was dann? Wie dann weitermachen?

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille.

Wir vergessen die andere. Wir vergessen die Seite, die weniger Drama dafür mehr Leichtigkeit hat. Die Seite, die Freude daran findet, Gelegenheiten zu ergreifen, die Nägel unseres Lebensweges selbst einzuschlagen und festzustellen, dass es weniger beschwerlich ist und mehr Spaß macht.

Selbst Niederlagen.

Denn würde ich den Kopf einziehen bei einer Sache, die mir wirklich wichtig ist, stünde ich schlechter da, als zuvor. Auch ohne Blamage.

Ich wüsste, ich hätte gekniffen.

Ich wüsste, ich hätte mich der Möglichkeit beraubt, an einer Sache zu wachsen, Fähigkeiten an mir zu entdecken, die mich sprachlos machen. Oder zum Riesen. Oder zur begnadeten Was-Auch-Immer.

Die mich stolz machen.

Und wenn es doch eine Niederlage wird – womöglich ist sie halb so schlimm. Womöglich können wir aufstehen, weiterlaufen und die Schramme abwischen und hinter uns lassen.

Einfach so.

Als Unternehmer machen wir Fehler. Immer wieder.

Der einzige Weg, es dennoch zu schaffen, ist unser Vertrauen in uns selbst

Und das gewinnen wir nicht, indem wir am Spielfeld sitzen und zuschauen. Das gewinnen wir nur, wenn wir im Spiel sind, uns den Ball holen, schießen und daneben treffen.

Und dann weiter auf das verdammte Tor zielen, selbst wenn wir gerade nicht glücklich sind. Selbst wenn uns nicht danach ist. Denn nur so werden Quantensprünge im Business wahr.

Selbstvertrauen als Unternehmer bekommen wir nicht, weil wir keine Fehler machen. Selbstvertrauen bekommen wir, weil wir Spielen.

Denn es stimmt nicht, was alle erzählen: Am Ende zählt nicht nur das Ergebnis. Oder der Profit. Oder die Kunden, die wir glücklich machen.

Am Ende zählt auch die Tatsache, dass wir unser Leben nicht aus der Hand geben, sondern gestalten.

Wir.

Und nicht die Angst vor einer Niederlage.

 

Noch nicht genug von unseren Artikeln? Das hatten wir gehofft 😉 Lesen Sie jetzt: Leadership im Business: Wie Sie im Umgang mit Kunden Grenzen setzen

Andrea Lekies

Hallo, ich bin Andrea und habe Passion & Profit 2012 ins Leben gerufen. Ich bin der Nerd, der lieber über Verkaufen & Businessaufbau schreibt, als shoppen zu gehen. Aber die meiste Zeit treffen Sie mich in unserer Unternehmer-Community Powerhouse...Folgen Sie uns auf Pinterest

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