Kleiner Style-Guide oder Was ziehe ich zum Kundentermin an?

von , veröffentlicht am 17. September 2018

Was ziehe ich zum Kundentermin an? Diese Diskussion ist von einer Leserin initiiert worden. Und ich fand sie sehr gut.

Denn: An der Kleiderfrage können Träume zerplatzen, wie eine Seifenblase…

und Kunden springen wieder ab, auch wenn sie schon fast gekauft hätten.

Der Grund: Sie schließen von der Kleidung auf andere Aspekte der Person oder des Angebot.

Weshalb es umso wichtiger ist, die richtige Wahl zu treffen …

Deshalb hier die Antwort auf etwas, was keineswegs nur eine Frauenfrage ist.

Die Geschichte eines Mannes, der die Chance seines Lebens verspielte – durch sein Outfit

Ich arbeitete in einer Personalberatung in Frankfurts Goethe Straße (neben tollen Geschäften, was zu chronischer Geldnot führte. Aber top gestylt war ich.)

Einmal suchte ich einen Geschäftsführer für ein mittelständisches Unternehmen mit der Option auf ein Management Buy Out. Der Kandidat konnte Mitinhaber werden. Was bei einem gut gehenden Unternehmen wie unserem Auftraggeber einem Lottogewinn gleichkam.

Ich fand einen Kandidaten und das erste Interview lief großartig.

Das zweite Gespräch wurde mit Auftraggeber und Kandidat in unserem Büro anberaumt. Der Kandidat kam zuletzt und wurde von mir in das Büro geführt, in dem die beiden Männer saßen.

Mein Chef sah meine verzweifelten Augen als ich die Bürotür öffnete. Er schaute auf den Kandidaten, dann auf mich. Wir wussten in dieser Sekunde, dass das folgende Gespräch vollkommen sinnlos war.

Denn es gab keine Chance, den textilen Lapsus des Mannes wieder wett zu machen.

Er trug ein Hawaiihemd

Ein Hawaiihemd. So, als käme er gerade vom Surfen. Und natürlich bekam er die Stelle als Geschäftsführer nicht.

Bedeutet das, dass immer höchst offiziell und ultra-business-like des Kleider-Rätsels Lösung ist?

Es kommt darauf an…

Auf drei Aspekte, die wir uns einen nach dem anderen anschauen werden. Danach fällt Ihnen der Griff in den Kleiderschrank etwas leichter.

Oder Sie haben einen triftigen Grund, nach Herzenslust shoppen zu gehen.

Klingt gut? Auf zur Modenschau:

#1 – Es kommt auf die Branche der Kunden an

Als Daumenregel für Kundentermine hat sich bewährt, nicht extrem viel besser gekleidet zu sein, als der Kunde selbst. Ein wenig besser ja, aber nicht zu viel.

Wenn Sie Handwerker als Kunden haben, kann ein Brioni Anzug mit handgefertigten Schuhen aus Ungarn dazu führen, dass Kunden sich unwohl fühlen.

Wollen Sie das nicht riskieren, können Sie einen normalen Anzug (Hosenanzug, Kostüm) anziehen, aber die Krawatte (Pumps oder Rüschenbluse) im Auto lassen.

Ich hatte viele Kandidaten aus der Werbebranche, die wie Sunny Crocket aus Miami Vice aussahen. Das war vollkommen in Ordnung, weil der Dresscode in dieser Branche hipp-sein nötig machte.

Zumindest damals.

Sie wollen zwar keine Stelle bei Ihrem Kunden ergattern, doch es geht um das Prinzip der Ähnlichkeit.

Wir mögen Menschen, die uns ähnlich sind. Das gilt auch für die Kleidung. Natürlich sollten Sie sich nicht wie Queen Mum kleiden, wenn Ihre Kundin das tut, aber eben auch nicht wie Lady Gaga.

#2 – Es kommt auf die Umstände an

Bei einem Live-Training sind Kunden meistens froh, wenn sie Business-casual tragen können. Also nicht ihr typisches Business-(Anzug)-Outfit. Wir vereinbaren das bei unseren Akquise-Trainings vorher, das heißt es kommt ein entsprechender Hinweis in den Schriftverkehr.

Das bedeutete jedoch nicht, dass man seine Gartenkleidung herausholen sollte. Ich würde keine Blue-Jeans tragen, auch wenn der Kunde das tut. Eine andersfarbige Jeans oder eine lässige Stoffhose, dazu eine Jacke, die nicht zu shr nach Jacket aussieht, aber dennoch nach Outfit.

Zum Beispiel so ein Outfit. 

Oder auch dieses hier. 

Als Daumenregel gilt: Je offizieller der Termin, desto offizieller die Kleidung. Gedeckte Farben – es muss jedoch nicht mausgrau sein, aber auch kein Pink.

Die Super-Fashionista würde ich im Urlaub geben.

Und ich würde möglichst angezogen gehen. Kein tiefer Ausschnitt, kein kurzer Rock und nichts, dass verrutschen kann. Ich will die Aufmerksamkeit eines Kunden gewinnen und auf mein Angebot lenken.

Nicht auf meine körperlichen Vorzüge… und ich persönlich fühle mich dabei wohler.

Was natürlich eine Typfrage ist.

Für offizielle Anlässe ist ein Hosenanzug gut geeignet, der durchaus Farbe haben darf. Grau und Schwarz sind schon sehr trist. Es sei denn, man peppt sie mit farbigen Accessoires auf.

Ähnliches gilt für Schmuck und Make-up. Dezent, zum Anlass passend.

Gerade bei Frauen wird bei einem viel beim Styling leicht auf ein wenig bei der Professionalität geschlossen. Was nicht stimmen muss. Wenn man sich dennoch für den dramatischen Auftritt entscheidet ist das Geschmackssache.

Zumal man bei klassischer Kleidung seltener das Problem hat: Voller Kleiderschrank, aber nichts zum Anziehen.

#3 – Es kommt auf die Persönlichkeit an

Den meisten Männern sieht man an, wenn sie nur selten einen Anzug tragen. Sie bewegen sich unsicher, so als ob sie ihren Kommunionsanzug tragen würden. Das Problem ist: Wenn jemand nie Business-Kleidung trägt, kann beim Kunden der Eindruck entstehen verkleidet zu sein. Und man wirkt weniger überzeugend.

Deshalb sollte man sich zwar gut kleiden, aber immer auch so, dass man sich selbst wohl fühlt.

Entscheidend ist jedoch noch etwas, was nichts mit der Kleidung zu tun hat:

Die Körperhaltung.

Wer gerade steht und Körperspannung hält, ist automatisch überzeugender. Das vermittelt Selbstbewusstsein, Sicherheit und überzeugt Kunden mehr, als das neueste Outfit.

Zusammenfassung

Die Antwort auf die Frage: Was ziehe ich zum Kundentermin an? hängt von mehreren Faktoren ab.

Kleidung ist nicht unwichtig. Denn Kunden schließen von Ihrer Kleidung auf andere Aspekte, beispielsweise Professionalität. Dennoch muss Kleidung kein Vermögen kosten.

Und sie rettet keinesfalls den Auftrag, wenn jemand keine fundierten Kenntnisse in seinem Fachbereich hat.

In diesem Sinne – ich gehe jetzt mal shoppen…

 

Sie haben noch keine Lust zu gehen? Das hatten wir gehofft … Lesen Sie wie authentisches Marketing in Wirklichkeit zu verstehen ist. Das passt immer zum Outfit 😉

Andrea Lekies

Hallo, ich bin Andrea und habe Passion & Profit 2012 ins Leben gerufen. Ich bin der Nerd, der lieber über Verkaufen & Businessaufbau schreibt, als shoppen zu gehen. Aber die meiste Zeit treffen Sie mich in unserer Unternehmer-Community Powerhouse...Folgen Sie uns auf Pinterest

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