Lockdown mit (Geschäfts-) Partner: Acht Tipps, sich nicht an die Gurgel zu gehen

von , zuletzt aktualisiert am 16. Mai 2020

Erst erzähle ich dir drei Geschichten.

Die Menschen in den drei Geschichten haben etwas gemeinsam. Vielleicht sogar mit dir.

Und dann erzähle ich dir, was Mehl, Besen und Arbeit mit unserem (und deinem) Gehirn zu tun hat.

Oder besser, dem Ausnahmezustand desselben.

Danach erfährst du, was Mike und mir eeeeeeetwas (nicht immer, aber wir haben zum Glück keinen Besen …) hilft, keine blutigen Spuren zu hinterlassen.

Oder … sehr selten.

Geschichte #1: Mehl und so

Kürzlich in einem Supermarkt.

Ein Kunde wollte 50 Packungen Mehl kaufen.

Fünf. Null. Fünfzig.

Der Kassierer wollte dem Mann diese Menge nicht geben, sondern nur 20 Packungen. Darauf wollte sich der Mann wiederum nicht einlassen und wurde erst laut und dann handgreiflich.

Die Polizei kam.

Mehl bekam er an dem Tag keines.

Geschichte #2: Auf Besenlänge

In einer Drogerie wollte ein Kunde einen Besen erstehen. Er steht an der Kasse und wartet darauf, dass er bezahlen kann.

Der Kunde dahinter kam ihm – angeblich – sehr nah.

So nah, dass sich der Besen-kaufende Mann mit eben diesem zur Wehr setzte.

Bis die Polizei kam.

Geschichte #3: Bist du irre?

In unserem wöchentlichen Management-Meeting fing es an zu kriseln, als Mike mir unvorbereitet ein umfangreiches Video auf´s Auge drücken wollte.

Für denselben Tag. Der von mir bereits VERPLANT war.

Das nächste, was ich hörte war, dass er eine Änderung der Reihenfolge in den kommenden Powerhouse-Workshops vornehmen wollte.

Und ich brüllte: „Bist du verrückt? Wie soll ich das denn schaffen?“

Mike wollte mich beruhigen. Was nicht gelang.

Die Fetzen flogen.

Menschen werden gerade verrückt.

Und das ist, so merkwürdig es klingt, nicht nur nachvollziehbar, sondern in gewisser Weise normal. Wirkliche Sorgen müssten wir uns machen, wenn uns das alles komplett kalt lassen würde.

Wenn sich niemand kein bisschen irritiert oder grund-bescheuert verhalten würde.

Wir sind verunsichert.

Das wiederum führt zu Stress, der uns im wahrsten Sinne des Wortes ver-rückt reagieren lässt.

Beim Einkaufen. Bei der Arbeit. Mit dem Partner.

Dr. Sonja Lupien – Gründerin und Direktorin des Centre for Studies on Human Stress – nennt Unsicherheit einen der vier Faktoren, die uns kolossalen Stress bereiten.

Es gibt vier Faktoren für Stress. Bereits einer allein wird als Auslöser betrachtet.

Etwas ist neu. Es ist unberechenbar. Es ist eine Gefahr für das eigene Ego. Und es scheint nicht kontrollierbar.

Neu. Unberechenbar. Ego-Gefahr. Unkontrollierbar.

Ich weiß nicht, wie es dir geht. Aber ich denke, wir können uns wahrscheinlich darauf einigen, dass Corona DEFINITIV alle diese Faktoren erfüllt.

Es ist der Super-Thread für unser Gehirn.

Für unsere Selbstkontrolle.

Und für unser geistiges Wohlergehen.

Nicht einmal die Wissenschaft kann uns definitive Antworten dazu geben, wie es in kürzerer oder längerer Zeit weitergehen wird.

Oder ob überhaupt.

Wir kämpfen damit, ruhig zu bleiben. Uns erwachsen zu verhalten. Produktiv und normal zu sein. Wir können uns nicht einfach auf die Erde schmeißen, kreischen und toben.

Darum versuchen wir zu rationalisieren, was nicht zu rationalisieren ist.

Pandemie.

Das Wort klingt fast niedlich. Die Realität ist es nicht.

Wir alle sind nur einen Gedanken davon entfernt, zum Mehl-Junkie zu werden.

Oder zum Besen-Mann. Oder zur Brüll-Bärin.

Zumindest manchmal.

Nicht jeder Mensch äußert seine Emotionen im Hinblick auf Angst, Stress oder Unsicherheit so, wie wir es kennen. Sind wir selbst gestresst, sind unsere Emotionen für uns vollkommen nachvollziehbar.

Wir wissen, warum wir reagieren, wie wir reagieren. Wir wissen auch, was wir wollen.

Zum Beispiel in den Arm genommen werden.

Oder Käsekuchen.

Oder in die Badewanne.

Wenn wir brüllen: „Bist du verrückt? Wie soll ich das denn schaffen?“, denken wir, dass klar ist, dass wir überfordert sind und Angst haben, auch nur eine Sekunde zu viel über das Nachzudenken, was da draußen los ist.

Bei den Menschen um uns herum sind wir nicht so schnell.

Ver-rücktes Verhalten signalisiert nicht nur Verrücktheit.

Es signalisiert, dass jemand nicht weiß, wie er oder sie gerade mit einem aufsteigenden Gefühl umgehen soll.

Der Mehl-Junkie ist normalerweise ein friedlicher Zeitgenosse.

Und der Besen-Mann hat sich noch nie etwas zu schulden kommen lassen.

Wahrscheinlich.

Und im Fall von Mike und mir?

Da treffen ADHS und HSP aufeinander. Zwei Typen, die Emotionen anders erleben, als andere, neurotypische Menschen.

Das einzige, was da hilft, ist Empathie.

Empathie ist die Fähigkeit, sich in die Situation eines anderen hinein zu versetzen. Nachvollziehen zu können, wie es diesem Menschen geht.

Welche Sorgen, Ängste oder Dramen er gerade durchlebt.

Und das ohne Bewertung oder gute Ratschläge.

Schau dir das Video von Brené Brown an. Es ist nur drei Minuten lang. Und ein Comic.

Mit Bär, Fuchs und der Erklärung, warum ein Sandwich echter Blödsinn ist.

 

 

Die 8 Dinge, die Mike & ich tun, um uns nicht an die Gurgel zu gehen im Lockdown.

Keines dieser Dinge erhebt Anspruch darauf, der gesamten Menschheit jeden Streit für ewige Zeiten zu ersparen. Es sind unsere persönlichen Wege.

Vielleicht ist das eine oder andere eine Anregung für dich.

#1 – Me-Time

Egal wie klein die Unterkunft war, die Mike und ich miteinander schon geteilt haben, wir achten immer darauf, nicht ständig aufeinander zu hocken.

Vor einiger Zeit haben wir mehrere Monate in Portugal überwintert.

Unser Haus war winzig, kaum größer als eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Dann kam der Winter, mit vier Wochen Regen.

Am Stück.

Dazu Stromausfälle und ein undichtes Dach.

Wir hatten dennoch unsere Rituale, uns Raum zu geben. Indem einer von uns einige Zeit im Schlafzimmer arbeitete. Oder indem er einen Noise-Cancelling Kopfhörer aufsetzte.

Dadurch war der andere quasi allein.

Wenn du keinen Noise-Cancelling Kopfhörer hast, funktioniert auch ein einfacher Kopfhörer vom Handy.

Oder simple Ohropax.

Das Ziel ist, auch auf kleinstem Raum ein Gefühl von Kontrolle über das eigene Leben zu haben. Zu lange, zu dicht aufeinander zu sitzen führt unweigerlich zu Lagerkoller.

#2 – Date Night zu Hause

Wir kochen einmal in der Woche besonders gut.

Das bedeutet nicht unbedingt teuer, sondern etwas aufwändiger, weil der Restaurant-Besuch aktuell ja nicht möglich ist. Manchmal schlägt einer von uns ein neues Rezept vor.

Oft kochen wir gemeinsam und machen es uns einfach schön.

Das Ziel ist, den besonderen Moment weiter aufrecht zu erhalten.

Stress haben wir schon genug.

#3 – Selbstfürsorge ist nicht mehr optional

Sie ist jetzt zwingend notwendig.

Denn wenn der Stress sehr groß ist, neigen wir dazu, zu arbeiten oder uns zu verkriechen oder dem Partner diese Fürsorge – zumindest ein Stück weit – zuzuschieben.

Und das kann der Partner nicht leisten.

Der hat nämlich mit sich selbst schon eine Menge zu tun.

Für uns bedeutet das ganz konkret, dass mindestens eine Stunde am Tag Tätigkeiten gewidmet werden, die Spaß machen und uns ent-stressen.

Mich besonders diese hier …

#4 – Brot backen

Du liest richtig. Brot zu backen ist eine gute Methode, sich selbst zu erden, Spaß zu haben und alle Sinne zu beschäftigen. Du riechst den wunderbaren Geruch von Hefe.

Du arbeitest mit deinen Händen. Und kannst Stress abbauen beim Kneten.

Du kannst kreativ sein und viele unterschiedliche Sorten Brot herstellen. Oder Pizza. Focaccia. Und es geht sehr viel leichter, als du womöglich denkst.

Mein Go-to für Rezepte ist übrigens Jamie Oliver. 

Am Ende hast du ein Ergebnis, dass dich stolz macht. Wir haben schon vor Corona Brot gebacken, doch jetzt machen wir es noch häufiger.

Und wenn du noch weiter gehen willst … mach einen eigenen Brotaufstrich.

Bei uns Schafskäsecreme.

Hier auf Zypern gibt es Weltklasse Schafskäse (in 1 Kilo Abpackung). Insofern habe ich da einen echten Vorteil, das verstehe ich.

Nur so am Rande – sinkt unser Vorrat unter die 3 Kilogramm Marke, werde ich nervös.

Vermenge es mit etwas Paprikapulver, Salz, crushed Chili oder Pfeffer. Knoblauch nach Geschmack und etwas Milch dazu geben.

Optional getrocknete Tomaten in Öl klein schneiden, vielleicht noch ein paar schwarze Oliven dazu.

Zusammen mit einem Glas Rotwein der Start zu einem wunderbaren Abend.

#5 – Sich draußen bewegen

Mittlerweile können wir nur noch einmal am Tag raus wegen der Ausgangssperre. Und das nutzen wir, wann immer es mit unseren Terminen passt.

Wir gehen einfach stramm eine Stunde spazieren.

Wenn das nicht geht, laufe ich durch den Garten.

Und als ich auch den nicht hatte, bin ich zuweilen auf dem Balkon auf der Stelle gejoggt.

Frische Luft, idealerweise im Grünen, hat auf mich immer eine beruhigende Wirkung.

Und es ist mittlerweile erwiesen, wie positiv die Wirkung für unser Gehirn ist.

#6 – Meditation

Ich habe es zu lange nicht getan. Und mein HSP gehyptes Gehirn hätte es dringend nötig gehabt. Ich dachte immer, ich schlafe doch 8 Stunden.

Doch Meditation bringt unsere Gedanken zur Ruhe.

Oft gesellt sich unser Kater Dali dazu, nestelt sich in meinen Schneidersitz oder legt sich neben mich auf die Decke.

Es gibt für mich mittlerweile keinen besseren Weg, den Tag zu starten.

Und schneller wieder runter zu kommen, wenn etwas vorfällt.

Apropos vorfallen …

#7 – Verzeihen – sich und dem anderen

Bei Mike und mir kommen Kräche vor. Erstens, weil wir zusammen arbeiten und deshalb Dinge aushandeln müssen.

Zweitens – ADHS und HSP.

Diese Kombi ist etwa, als würdest du Dynamit in einer Feuerwerksfabrik aufbewahren. Nein Scherz beiseite …

Beide Dispositionen sind nicht schlimm.

So wie ein Schnupfen nicht schlimm ist. Behandelst du Schnupfen aber falsch, bekommst eine Lungenentzündung und springst im Schnee herum …

Kann es böse werden.

Ähnlich ist es bei uns.

Größtes Problem?

Kommunikation. Und das ist naturgemäß wenn wir aufeinander hocken anstrengender. Für uns funktioniert folgende Regel:

Krach kommt vor.

Wir verzeihen uns selbst. Dem anderen.

Und machen weiter.

#8 – Fünf ist das neue Gerade

Du kennst diese Kräche, wo du denkst, diese Ungerechtigkeit kann dein Partner doch im Leben nicht ernst meinen?

Diesen Mist kann er oder sie jetzt doch nicht wirklich von sich geben, ohne im kompletten Delirium zu sein?

Ja. Diese Art von Krächen.

Doch diese Art von Krächen haben oft einen anderen Ursprung, als wir ahnen. Und wir benötigen andere Lösungen dafür.

Und wie so oft ist es – Empathie. 

Manche Menschen haben mehr empathische Fähigkeiten als andere.

Manche sind in einem wenig empathischen Umfeld aufgewachsen.

Und wenn uns jemand eine Steilvorlage dafür gibt, uns empathisch zu verhalten, sind wir sofort dabei.

Stell dir vor, du hörst etwas wie:

Schatz, ich habe eine Riesenangst wegen dieses Virus. Ich habe keine Ahnung, wie sich alles entwickeln wird und mache mir Sorgen.

Besonders um dich, weil du womöglich zu einer Risikogruppe gehörst.

Und dann spüre ich, dass sich mein Gehirn verknotet bei dem Versuch, immer das Richtige zu sagen, was ich nicht immer kann und was mir leid tut. 

Wenn jemand so redet, sind wir Empathie-Riesen.

Jeder.

Gut, fast jede.

Der Punkt ist, kommuniziert der Partner so, ist es leicht, verständnisvoll zu sein.

Das Problem ist, kaum jemand spricht so, wenn ihn oder sie die Emotionen übermannen. Und das hat damit zu tun, dass uns unsere eigenen Emotionen nicht immer bewusst sind.

Nach meiner Erfahrung ist das sogar eher selten der Fall.

Wir tun Dinge, die uns von unseren Emotionen ablenken.

Wir trinken, essen, netflixen oder facebooken. Oder wir flippen aus, sagen doofe Dinge oder werden passiv-aggressiv.

Deshalb ist Recht haben wollen in dieser Zeit keine gute Idee. Eher ein Freifahrtschein dafür, dass wir uns an die Gurgel gehen.

Nachzugeben bei Ungerechtigkeit ist nicht einfach. Und wirkt Wunder.

Zusammenfassung

Gut möglich, dass du und dein Partner bereits Dinge haben, die vor der Ausgangssperre gut funktionierten.

Und die ihr jetzt nicht mehr machen könnt eben wegen der Ausgangssperre. Unser Gehirn tickt zuweilen so, dass es die nächst-mögliche Lösung nicht sieht.

Obwohl sie da ist. Und obwohl sie funktionieren würde.

Vielleicht sind unsere Tipps eine Anregung etwas zu finden, was ein fast ebenbürtiger Ersatz sein könnte.

Pass auf dich auf.

 

 

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Andrea Lekies

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