Die Balance zwischen Anstrengung und Loslassen

von , zuletzt aktualisiert am 10. August 2018

Um mich herum standen fünf Menschen. Vier Frauen und ein Mann.

Ich saß auf einer Liege. Nackt, bis auf einen Slip.

Hinter mir stand jemand, der versuchte mir einen metallischen Gegenstand in den rechten Lungenflügel zu stechen.

Mit meinem Einverständnis.

Ich war in einer Klinik und nachdem mir ein Teil meiner Lunge entfernt wurde hatte sich darin Wasser angesammelt.

Erneut.

Ich sollte mich entspannen.

Unbedingt.

Nur dann wäre es möglich, die Spritze einzuführen, die das Wasser entfernen und mir mehr Luft verschaffen könnte

Doch ich konnte nicht. Wir alberten herum. Jemand machte einen Witz.

Ich keuchte und rang nach Luft. Vor meiner OP bin ich spaßeshalber die fünf Etagen im Krankenhaus hochgesprintet.

Danach brauchte ich beim ersten Anlauf 20 Minuten.

Als ich oben war und vollkommen erschöpft hinunterschaute sprach mich eine Schwester an. Sie war besorgt.

Es seien schon so viele gesprungen …

Nein. Ich wollte nicht springen.

Ich wollte wieder sprinten. Ich wollte das Gefühl genießen, Herr über meinen Körper zu sein.

Obwohl – das war es nicht. Ich wollte wieder im Einklang sein mit meinem Körper.

Atmen.

Mich nicht wie ein Fisch fühlen, dem die Kiemen entfernt wurden

Und ich tat etwas, woran ich mich noch gut erinnere, weil es sich neu anfühlte. Ich schaute den Assistenzarzt vor mir an und bat ihn, meine Hand zu halten.

Ich spürte keine Überwindung, keine Scham, kein Zögern. Ich dachte noch nicht einmal.

Ich folgte einfach meinem Instinkt.

Er setzte sich sofort neben mich und nahm meine Hand. Und ich konnte ihn anschauen und loslassen.

Die Angst vor Schmerzen.

Die Angst zu sterben.

Die Angst alleine zu sein.

In diesem Augenblick begriff ich eine wieder und wieder gehörte Zeile aus meinem Yoga Training:

The balance between effort and surrender.

Die Balance zwischen Anstrengung und Loslassen.

Es gibt einen Punkt, da müssen wir uns treiben lassen und darauf vertrauen, dass es gut geht

Da müssen wir einfach hineinspringen.

Uns hineinstürzen in das, was da Leben heißt und so unabwägbar ist, dass kein noch so ausgefeiltes System uns dabei helfen kann, es abzuwägen.

Oder auch nur zu steuern. Leben ist das, was passiert, wenn wir Pläne machen.

Nein.

Ich glaube, Pläne sind das, was wir brauchen, wenn das Leben passiert.

Keine fertigen, statischen, perfekten Pläne.

Eher Richtlinien. So etwas wie eigene Standards. Dinge, die uns wichtig sind. Und die uns helfen, auch wenn wir halb-nackt irgendwo sitzen, mit einem Metall-Splint in der Lunge.

Oder nein: Dann ganz besonders.

Disziplin ist so eine Sache. Denn manchmal macht es mehr Angst loszulassen. Sich sich selbst anzuvertrauen.

Mit zu schwimmen in dem Ding, was da Leben ist.

Und nicht darauf zu warten, das der richtige Augenblick kommt.

Denn er ist vorbei, bevor wir verstanden haben, dass er der richtige war …

Andrea Lekies

Hallo, ich bin Andrea und habe Passion & Profit 2012 ins Leben gerufen. Ich bin der Nerd, der lieber über Verkaufen & Businessaufbau schreibt, als shoppen zu gehen. Aber die meiste Zeit treffen Sie mich in unserer Unternehmer-Community Powerhouse... Folgen Sie uns auf Pinterest