Der 1. Schritt zu mehr Sichtbarkeit: Mit Öffentlichkeit zurechtkommen

von , veröffentlicht am 07. September 2022

Wenn ich Sie frage was würden Sie raus in die Welt bringen und kreieren, wenn Sie wüssten, Sie würden nicht verhöhnt, ausgebuht oder ausgelacht?

Denken Sie einmal darüber nach für eine Minute.

1, 2, 3, 4, … 60.

Ich rate einfach mal, dass Ihnen zumindest etwas eingefallen ist. Der Vortrag, den Sie halten, das Buch oder die Artikel, die Sie schreiben würden.

Vielleicht Videos, die Sie drehen.

Vielleicht würden Sie bestimmte Kontakte knüpfen. Den Podcast starten.

Oder andere Pläne in die Realität umsetzen.

Was, wenn der 1. Schritt zu mehr Sichtbarkeit die Frage ist, wie stelle ich mich dem?

Lassen Sie uns über das Imposter Syndrom sprechen. Denn das ist es, was für viele Selbständige auftaucht, wenn wir den Kopf aus der Tür stecken und sichtbarer werden wollen.

Was ist das Imposter- oder Hochstapler-Syndrom?

Es ist ein Gefühl von massiven Selbstzweifeln bezüglich der eigenen beruflichen Leistung.

Es ist das Gefühl, dass wir uns am liebsten in einem Loch verstecken wollen, anstatt unsere Arbeit, Ideen, Output und uns zu zeigen. Denn es scheint unsicher, aus vielen Gründen.

Manchmal nennen wir diesen Drang, Dinge nicht in die Welt zu lassen auch Perfektionismus. Doch das Ergebnis ist dasselbe.

Warum ist es ein Problem?

Weil wir uns verstecken … denn ein Business voranzubringen bedeutet, wir müssen – irgendwie – sichtbar sein.

Sind wir nicht sichtbar, können uns potenzielle Kunden nicht finden.

Und das betrifft jede Art von Öffentlichkeit. Ein Artikel auf der eigenen Webseite, ein Gespräch mit Kunden, ein Nachfasstelefonat mit einem Interessenten.

Die Angst kann jede Art von Exposure, also Zurschaustellung, betreffen.

Und wir müssen diese Mauer von Unwillen durchbrechen, nicht nur für unser Business, sondern weil es nicht besonders befriedigend ist, wenn wir unser Leben danach ausrichten.

Wir haben unsere Selbständigkeit gewählt, um selbst-bestimmt zu arbeiten. Mit den Einschränkungen, die wir uns durch das Imposter-Syndrom auferlegen, sind wir mehr gefangen als womöglich noch zuvor in einer Festanstellung.

Nicht dass es jedem Menschen in einer Festanstellung schlecht ging.

Aber wir ducken uns – womöglich erneut – vor Kräften, die keinen Einfluss auf uns und auf unsere Arbeit haben sollten.

Hier sind drei Dinge, die ich Ihnen vorstellen möchte, um die Auswirkungen des Hochstapler-Syndrom zu erleichtern.

Es gibt noch einiges mehr. Aber diese drei sind ein guter Start.

Tipp #1: Reframing.

Dieser Tipp basiert auf einer Technik von Brené Brown, die ich sehr hilfreich finde.

Es geht um Reframing. Reframing heißt zu Deutsch Umdeutung. Wikipedia definiert den Vorgang so: 

Durch Umdeutung wird einer Situation oder einem Geschehen eine andere Bedeutung oder ein anderer Sinn zugewiesen, und zwar dadurch, dass man versucht, die Situation in einem anderen Kontext (oder „Rahmen“) zu sehen […].

Eine Umdeutung aus dem Alltag lautet beispielsweise: „Scherben bringen Glück!“

Bei diesem Beispiel wird das zerbrochene Geschirr (Verlust) zu einer positiven Erfüllungsbedingung für einen weit höheren Wert genützt (hier: Glück). Eine Umdeutung sei besonders erfolgreich, wenn der zu erfüllende Wert subjektiv vom Leidenden als höherrangig (innerlich wesentlicher) repräsentiert wird.

Warum Ihre Kritiker nicht zählen …

 

 

Brené Brown schildert, wie sie selbst massiver, persönlicher Kritik gegenüberstand und fand in dieser Zeit einen Textauszug. Daraus entwickelte sie einen Leitsatz, der ihr half, mit Kritiken (und Kritikern) zurecht zu kommen, die nicht konstruktiv sind.

Diese Technik ist einfach und unkompliziert und Sie können sie jederzeit anwenden.

Die Grundlage dafür war ein Auszug aus einer Rede von Theodore Roosevelt an der Sorbonne, Paris, 1910. Der Auszug lautet:

„Es ist nicht der Kritiker, der zählt,
nicht derjenige, der aufzeigt, wie der Starke gestolpert ist
oder wo der, der Taten vollbracht hat, sie hätte besser machen können. 

Die Anerkennung gebührt dem, der wirklich in der Arena ist;

dessen Gesicht verschmiert ist von Staub und Schweiß und Blut;
der tapfer strebt;
der irrt
und wieder und wieder
scheitert,
denn es gibt keine Anstrengung ohne Irrtum und Fehler;
der jedoch wirklich danach strebt,  die Taten zu vollbringen;
der die große Begeisterung kennt,
die große Hingabe,
und sich an einer würdigen Sache verausgabt;
der, im besten Fall, am Ende den Triumph der großen Leistung erfährt;
und der,
im schlechtesten Fall,
wenn er scheitert,
zumindest dabei scheitert, dass er etwas Großes gewagt hat,
so dass sein Platz niemals bei den kalten und furchtsamen Seelen sein wird,
die weder Sieg noch Niederlage kennen.“

Theodore Roosevelt (Sorbonne, Paris, 1910. Titel: Staatsbürgerschaft in einer Republik (gesamt 35 Seiten).

Das Reframing von Brené Brown lautet: If you’re not in the arena, also getting your ass kicked, I’m not interested in your feedback.

Ich bin nicht an deinem Feedback interessiert, wenn du nicht in der Arena bist.

Ich unterhalte mich mit Gleichgesinnten über meine Arbeit – auf Augenhöhe.

Und ich lasse mich nicht irritieren von Menschen, deren Absicht Verletzung ist – anstatt kreativer Arbeit.

Hören wir auf Fremde, wie wir unseren Hund halten sollten?

 

 

Wenn wir verstehen, dass die Menschen, die wir hier fürchten selbst nicht den Mut aufbringen, in die Arena zu gehen, wird vieles leichter.

Wir reframen die Kritik.

Und das tun wir die meiste Zeit ganz automatisch …

Nehmen wir als Hundebesitzer den Rat von jemandem an, der keinen Hund hat, nie einen besaß und auch sonst keine Qualifikation besitzt, uns Ratschläge zu geben? Wahrscheinlich nicht.

Wenn uns ein Fremder sagt, dass wir uns falsch ernähren, geben wir dann einen Pfifferling auf diese Meinung? Nope.

Oder wenn uns jemand Ratschläge zu unserer Beziehung geben will? Genau. Wir pfeifen darauf.

Doch etwas an dieser öffentlich-exponierten Sichtbarkeit als Kreativer ist anders. Wir schämen uns für alles, was nicht perfekt ist. Was es nie ist, wie wir alle wissen.

Successful people don’t criticize.

Eine zweite Formulierung, die ebenfalls ein Reframing dieser Art Feedback ermöglicht, ist von Rebecca Louise, Fitness-Trainerin. Sie sagt:

Erfolgreiche Leute kritisieren nicht.

Und der Grund leuchtet ein: Sie haben anderes zu tun.

Warum sollten wir Wert auf die Meinung von jemandem legen, der selbst nur wenig oder gar nichts tut, ausser zu meckern?

Das ist der Kern dieser Feststellung von Rebecca Louise.

Es ist hilfreich zu verstehen, dass der Grund für derartiges Feedback nicht die Sache ist, sondern etwas, dass mit dem Schreiber selbst zu tun hat.

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Tipp #2: Korrigieren.

Wir können das Imposter Syndrom nicht bewältigen, indem wir die Gefühle, die dem zugrunde liegen, ignorieren. Auch wenn das reizvoll scheint.

Viel hilfreicher ist es, etwas zu tun, was ich Realität in die Dinge bringen nenne. In diesem Fall bedeutet das, es ist normal eine gewisse Anspannung zu spüren, wenn wir etwas kreieren.

Nennen Sie es Aufregung, oder auch Angst.

Viele Künstler kennen dieses Gefühl und haben zum Teil ein Leben lang dagegen gekämpft. Doch die neuere Gehirnforschung zeigt, dass es hilfreicher ist, mit dem Gefühl zu arbeiten.

Und das geschieht in drei Schritten:

Schritt Nummer 1: Sich eingestehen, wie man sich fühlt.

Dadurch holen Sie ein diffuses Grummeln an die Oberfläche. Und der Effekt davon ist oftmals, dass wir von ungünstigen Bewältigungsstrategien lassen können, weil wir gar nicht bemerkt haben, was uns da drückte.

Das kann der Griff zu Naschzeug sein, das Surfen im Internet oder der plötzliche Drang, seine komplette Bügelwäsche zu erledigen, obwohl es keine Priorität hat.

Die Voraussetzung für diesen Schritt ist die Fähigkeit zu bemerken, was gerade in uns vorgeht.

Denn für viele Bewältigungsstrategien haben wir sehr solide Erklärungen. (Die Bügelwäsche war wirklich endlich fällig! Die Anfrage musste JETZT erledigt werden! Mein Blutzuckerspiegel ging in den Keller …).

Unser Gehirn ist smart darin, uns vor Gefahren zu schützen. Doch wenn wir ihm signalisieren, dass hier keine (echte) Gefahr lauert, kann sich das ungute Gefühl auflösen.

Schritt Nummer 2: Die Gefühle bestätigen.

Nicht Gefühle machen Ärger, sondern unterdrückte Gefühle machen Ärger. Deshalb geht es in diesem Schritt lediglich darum, zu bestätigen, dass es in Ordnung ist, diese Gefühle oder dieses Gefühl zu haben.

Das bedeutet, dem Drang zu widerstehen, sich selbst etwas zu sagen, wie:

Stell dich nicht an!

Reiß dich zusammen!

Das ist doch nicht so schwer … etc. Jeder hat seine Version vermute ich.

Es ist nichts gegen Disziplin einzuwenden. Aber damit wir das Imposter Syndrom in den Griff bekommen können, müssen wir freundlich mit uns selbst sein.

Für mich war das eine Herausforderung. Doch es funktioniert.

Schritt Nummer 3: Richtig oder Falsch?

Ein Gefühl will uns etwas mitteilen. Beispielsweise, wenn Dinge noch unrund sind. Dass etwas Wichtiges fehlt etc. Aber nicht immer liegt unser Gefühl richtig.

Deshalb ist es sinnvoll, das Gefühl auf seinen objektiven Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

Ich frage mich: Gibt es hier wirklich etwas, woran ich arbeiten sollte, oder sind es nur Selbstzweifel oder der Drang perfekt sein zu wollen?

Meistens hilft mir dieser Schritt, mich zu vergewissern, dass mein Gefühl zwar da ist, aber nur in meinem Kopf existiert. Letztendlich lasse ich los.

Das bedeutet nicht, dass ich das Gefühl ignoriere. Es bedeutet lediglich, dass ich mit meinem Tag weitermachen und meine Ziele erreichen kann, trotz meines Empfindens.

Tipp #3: Anerkenntnis.

Damit ist gemeint: Klopfen Sie sich selbst auf die Schultern.

 

 

Und dieser Schritt ist wichtig. Wahrscheinlich wichtiger, als Sie im ersten Augenblick vermuten.

Der Grund liegt, Sie ahnen es, in unserem Gehirn, genauer, in unserem Nervensystem verborgen. Inke Jochims erklärt es so.

Eine abgeschlossene Aufgabe dagegen bedeutet Sicherheit – und Sicherheit bedeutet: Wir haben die Möglichkeit zur Ruhe und zur Erholung. Eine abgeschlossene Aufgabe geht daher mit Entspannung einher.

Und das ist überlebensnotwendig.

Jede Aufgabe, die erfolgreich abgeschlossen ist, wird daher von der Natur mit einem Gefühl von gesundem Stolz belohnt, auch dann, wenn es sich um eine sehr kleine Aktivität handelt. Wenn der Bär weg ist und wir in Sicherheit sind, fühlen wir eine unmittelbare Erleichterung und eben Stolz, weil wir etwas Wichtiges gemeistert haben: das Überleben.

Abgeschlossene Aufgaben steigern über das gesunde Gefühl von Stolz das Selbstwertgefühl und ein hohes Selbstwertgefühl senkt Stress, das wiederum steigert die Produktivität.

Je mehr Aufgaben wir abgeschlossen haben, desto mehr Glück und Stolz empfinden wir. So entsteht eine Aufwärtsspirale, die es uns ermöglicht, immer interessantere und komplexere Aufgaben anzupacken.

Jochims, Inke. Vom Glück, eine Strategie zu haben (German Edition) (S.15). Books on Demand. Kindle-Version.

Wenn Sie das nächste Mal etwas getan haben, würdigen Sie es!

Wir leben in einer Zeit, in der es heißt, das Eigenlob stinkt. Gleichzeitig sind materielle Güter an die Stelle von Wertschätzung (für uns selbst) getreten.

Doch Wertschätzung seiner Leistungen ist wichtig. Nicht nur dann, wenn Sie etwas besonders gut gemacht haben. Sondern auch, wenn Sie etwas fertig gestellt haben, das schwierig war.

Bewahren Sie ausgewähltes Feedback auf, beispielsweise Nachrichten von Kunden. Kleine Hinweise, dass jemand mag, was Sie tun und Sie oder Ihre Arbeit schätzt.

An schlechten Tagen hilft es, sich daran zu erinnern, dass nicht alles schlecht ist – sondern heute nur einer dieser Tage ist, an denen es so aussieht.

Zusammenfassung

Der 1. Schritt zu mehr Sichtbarkeit liegt für viele Menschen nicht darin, sich überlegen, welchen Content sie erstellen oder auf welchem Kanal sie Inhalte posten.

Der 1. Schritt zu mehr Sichtbarkeit liegt fast immer darin, das ungute Gefühl zu überwinden, wenn wir etwas veröffentlichen, auf die Bühne gehen, uns exponieren.

Doch wir haben Möglichkeiten, uns gegenüber unserem Imposter-Syndrom zu positionieren. Wir müssen nicht hinnehmen, dass es unser Leben bestimmt.

 

 

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Andrea Lekies

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