Business Ziele setzen: Warum Realismus ein Fehler ist

von , zuletzt aktualisiert am 10. August 2018

„Er ist 29 Jahre alt – und Sie wollen mir erzählen, dass er nie wieder joggen wird?“

„Sie können froh sein, wenn wir ihm nicht das Bein amputieren müssen.“

Dieser Dialog mit einem Chirurgen fand vor 17 Jahren statt. Mike und ich waren frisch verliebt. Er kam für uns aus London zurück, wo er lebte und arbeitete. Kurze Zeit später hatte er jenen Autounfall, der alles veränderte.

Das vorweg – Mike kann wieder joggen. Und er überholt mich mittlerweile. Was ja laut dem Chirurgen nicht sein dürfte und nur unserer gemeinsamen „Arbeit“ an diesem Ziel zu verdanken ist.

Doch meine persönliche Geschichte mit „unrealistischen Zielen“ startet etwas früher…

Wir lernen von Kind auf an, uns zu beschränken

Das erste Mal verliebt war ich in den Superstar unseres Tennis-Clubs. Ich spielte nicht besonders gut Tennis. Und mein Teenager-Speck lag noch eng auf meinen Hüften. Ich war also keineswegs der blonde, langbeinige Feger, den Christoph – so hieß mein Schwarm – sich später angelte.

Und ich stimmte meiner Mutter, besten Freundin und Oma nur allzu gern zu, als die sagten: Such dir doch lieber jemanden, der besser zu dir passt …

Doch ich fand in unserem engen, kleinen Dorf nur wenige Dinge, die gut zu mir passten.

Drei Jahre später peilte ich mein erstes unrealistisches Ziel an. Zumindest empfand ich es damals so. Ich fuhr in die nächst größere Stadt und meldete mich – ohne Wissen meiner Eltern – auf dem Gymnasium an.

Damals erwartete ich noch Begeisterung als Reaktion. Zustimmung, dass ich „mehr“ wollte. Doch die blieb aus. Eine ganz normale Reaktion wie ich später lernte, wenn du „übermütig“ wirst.

Und ich schaffte mein Abitur im ersten Anlauf. Statistisch gesehen unrealistisch, ich weiß.

Warum realistische Ziele für Ihr Business ein Problem sind

Als ich vor 16 Jahren meine Arbeit verlor und meine Firma gründete, dachte ich: Kein Problem, das geht schon. Ich war Recruiting Manager, fuhr als Firmenwagen einen A6 und verdiente viel Geld.

Und ich war sicher, das würde ich alleine ebenfalls erwirtschaften können.

Konnte ich auch.

Damals wusste ich nur noch nicht, dass es nicht ausreicht, mit einer Firma eine Weile gut dazustehen. Oder ein finanzielles Polster anzulegen.

Die Herausforderung ist, langfristig einen Weg für sein Business zu finden. Immer wieder neue, gute Ideen zu kreieren – und sie zu vermarkten.

Konstant „ahead“ zu bleiben.

Nach holprigem Start lief alles prima. Ich verdiente mit meinen Telefonakquise-Projekten fünfstellige Beträge. Und ich wollte mehr. Erst wollte ich ins Trainings-Geschäft.

Dann ins Online-Geschäft. Mike ist damals eingestiegen und wir legten los mit Blog, Newsletter, Freebie & Co.

Und wir bekamen prompt Probleme. Denn damals gab es weder Launch-Anleitungen noch Hinweise, wie man einen Kurs erstellt und bewirbt. Wir gaben unser Auto ab. Unser einziges Auto wohlgemerkt.

Ich plante unseren ersten großen Launch. Vor neun Jahren. Ich wollte damit 20.000 Euro verdienen. Damals für uns mit einer einzigen Aktion eine gewaltige Summe. Mike hielt mich für verrückt.

Wir erstellten Videos im Vorfeld. Wir hielten ein Teleseminar ab.

Und wir machten unser Angebot, die Akquise-Masterclass 1.0. Einige Bestellungen kamen sofort, doch es tröpfelte eher so herein. Wir fuhren nach dem Teleseminar mit dem Zug nach Mannheim, um Besorgungen zu machen.

Als wir zurückkamen, hatten wir über 15.000 Euro verdient. Und es wurden im Laufe der nächsten Tage noch mehr.

Ich habe mein Ziel damals knapp verfehlt.

Aber es war mir egal. Denn darum ging es nicht.

[click_to_tweet tweet=“Ich musste erst zu dem Menschen werden, der denkt, dass er ein bestimmtes Ziel auch erreichen kann. www.passion-profit.com“ quote=“Ich musste erst zu dem Menschen werden, der denkt, dass er ein bestimmtes Ziel auch erreichen kann“]

Ich musste erst zu dem Menschen werden, der denkt, dass er ein bestimmtes Ziel auch erreichen kann

Mit diesem Launch hatte ich etwas verstanden. Nämlich, dass Ziele nicht nur zur Motivation sind, sondern dass sie mich „ziehen“. Ich musste erst mental in der Lage sein, mich großen Zielen zu nähern.

Ziele sind Leuchttürme für unser Gehirn. Sie geben den Weg vor.

Unrealistische Ziele jedoch haben die Kraft, unsere eigenen „PS“ zu vervielfachen.

Unser Gehirn ist ein unglaublicher Muskel. Traue ich ihm viel zu, hilft es mir, viel zu erreichen. Mehr noch – es arbeitet für mich. Ich las damals das Buch „The Brain That Changes Itself“ von Norman Doidge.

Darin war die Rede von Menschen. die nach scheinbar irreparablen Krankheiten oder Unfällen, wie beispielsweise einem schweren Schlaganfall, ihre volle Gehirnkapazität wiedererlangten. Vollkommen unrealistisch.

Dennoch taten sie es.

Get over it …

Sie kennen den Spruch von Einstein: Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.  

Wir Menschen gehen an das Lösen von Problemen mit unserer linearen Art zu denken heran.

Nehmen Sie das Thema Schreiben. Sie wollen für Ihre Webseite regelmäßig Artikel schreiben. Und Sie starten. Nach einer Weile bemerken Sie einen Stillstand. Und geben frustriert auf.

Doch das ist ein Fehler, weil Fortschritt oder gar Quantensprünge in Ihrem Business nach anderen Regeln erreicht werden.

Sie machen keine linearen Fortschritte.

Sie machen exponentielle Fortschritte.

An dieser Stelle kommt die Nutzung unseres Gehirns ins Spiel. Sie denken in linearen Schritten. Sie gehen einen Schritt nach dem anderen. Aber es gibt Abkürzungen auf dem Weg zu einem Ziel, die Sie nicht sehen, wenn Sie sich selbst begrenzen.

Das ist üblicherweise die Stelle, an der wir Coachees sagen: Frage dich, wie du xyz in der Hälfte der Zeit schaffen könntest.

Oder wenn wir dazu anregen, nicht über zu wenig Zeit oder zu viele Aufgaben zu klagen, sondern sich zu fragen: Wie könnte ich es möglich machen?

Welche Wege gibt es für mich?

Viele Menschen vergeuden unendlich viel Energie und Zeit damit, über einen Ist-Zustand zu klagen. Ich kann das nicht, weil ich [so und so bin]. Der oder die hat mehr Glück weil … Das ist zu viel für mich, weil ….

Da ist von diesem zu viel und von jenem zu wenig vorhanden. Und zuweilen ist das tatsächlich der Fall. Denn das Leben ist nicht gerecht. Und das Business ist es auch nicht.

Doch alles startet damit, anzunehmen, dass etwas möglich ist. Darüber nachzudenken, wie es möglich sein könnte. Anstatt Energie damit zu vergeuden, zu erklären, warum etwas nicht funktioniert.

Wie Sie die passenden, unrealistischen Business Ziele setzen

Der Charme unrealistischer Ziele liegt darin, dass unser Gehirn nach neuen Lösungen sucht.

Will ich mit einer Aktion 20.000 Euro verdienen, erdenke ich andere Inhalte und Wege, als wenn ich 2.000 Euro verdienen möchte. Will ich mit wenigen Ressourcen viel erreichen, gehe ich mit meiner Zeit anders um. Ich werde erfinderisch.

Ich sehe plötzlich Wege, die ich zuvor nicht gesehen habe. Das ist der Charme unrealistischer Ziele.

Und so können Sie unrealistische (aber wirksame) Business Ziele setzen:

  • Werden Sie granular. Legen Sie quantitativ fest, was Sie erreichen wollen. Nicht Ich möchte eine „erfolgreiche“ Aktion. Oder Ich möchte ein „nachhaltiges“ Business. Sondern: 56 Kunden mehr. 18 Aufträge. 100 % mehr Anmeldungen im Quartal.
  • Legen Sie qualitative Ziele fest. Was exakt tut dieses Ziel? Ist es ein bestimmter Meilenstein? Ist es strategisch wichtig? Suchen Sie eine persönliche Bestätigung? Für uns war damals die Akquise Masterclass ein wichtiger Meilenstein. Es sollte unser Flaggschiff-Kurs bei TelefonArt werden. Und er wurde es.
  • Wählen Sie ein Ziel, das Sie etwas atemlos macht. Wenn sich die Komfortzone ordentlich gestretcht fühlt ist es gut.
  • Sehen Sie ihr Ziel nicht als absoluten Wert, sondern als Richtung. Dorthin wollen Sie. Das bedeutet auch, wenn Sie einen Tick darunter bleiben ist alles o.k. Das passiert. Genauso oft wird es passieren, dass Sie besser abschneiden.
  • Genießen Sie, was Sie tun. Es ist ein gutes Gefühl, aus der Begrenzung eines „geht nicht“ heraus zu finden. Sie werden erleben, wie Sie mehr und mehr neue Möglichkeiten sehen. Im Marketing-Deutsch sind das „Leverage Effekte“.

Und die wiederum sind die Grundlage für noch mehr in Ihrem Business.

Zusammenfassung

Es ist in Ordnung, wenn Sie mit Ihrer Firma Schritt-für-Schritt wachsen und nicht über Nacht die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Doch Bewegung als Unternehmer ist wichtig. Dazu gehört, dass Sie Business Ziele setzen und erreichen.

Denn der nächste Mitbewerber eröffnet sein Geschäft neben Ihnen. Oder jemand kopiert schamlos Ihre Inhalte. Kunden wollen Neues. Doch das muss kein Fluch sein. Im Gegenteil. Es ist eine Möglichkeit zu wachsen. Ihr Gehirn wartet nur darauf, Sie dabei zu unterstützen …

 

Und wenn Sie gerade ratlos sind, WO Sie starten sollenlesen Sie sich unseren Solo-Unternehmer-Plan – den SUP durch. Er zeigt in vier Teilen die Schritte, die Sie gehen müssen, wollen Sie Ihren Traum von individueller Freiheit als UnternehmerIn verwirklichen.

Andrea Lekies

Hallo, ich bin Andrea und habe Passion & Profit 2012 ins Leben gerufen. Ich bin der Nerd, der lieber über Verkaufen & Businessaufbau schreibt, als shoppen zu gehen. Aber die meiste Zeit treffen Sie mich in unserer Unternehmer-Community Powerhouse...Folgen Sie uns auf Pinterest

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